Zeilen zur fünfteiligen Arbeit »Ohne Titel - ( Baum)« :

Vom Fenster meines Ateliers aus kann man vis-á-vis im Hang des Kapuzinerberges einen einzelnen Baum wahrnehmen, der durch seine eigenartige Färbung hervorsticht.
Im Laufe der Zeit, während die Bäume und Sträucher ihr Laub tragen, wechseln sie stets ihre Färbung. Vom lichten Gelbgrün bis hin zu ihren Ocker- und Rottönungen;
allein dieser solitäre Baum, mittendrin im Gewächs, weicht stets in seiner Farbigkeit von der der anderen ab. Meist meint man die seine gilblicher und wärmer als die seiner umgebenden. (Hat man ihn erst einmal wahrgenommen, wird er zu einem Vertrauten. Man behält ihn im Auge im Wechsel der Lichtverhältnisse; manches mal aufmerksam und beobachtend, dann wieder beinahe beiläufig und scheinbar achtlos.)



Es ist jedoch noch nicht gleich an der Zeit ihn zu malen, man würde lediglich den Versuch machen ihn zu »portraitieren«. Vorläufig gilt es, ihn sich so innerlich zu machen, als würde man ihn auswendig zu lernen haben, sein Bild zu erhalten für die Zeit, in der er nicht mehr sichtbar sein wird (für die Wintermonate). Das Bild, das diesen Baum hervorholen soll, wird später dann aus den Erinnerungen an die verschiedenen Augen-Blicke und deren Umstände zusammengetragen. Es scheint schlüssig zu sein, dass dies nicht ein einzelnes Bild alleine vermag. Es braucht ein mehrteiliges Bild. (Es sind mehrere und doch nicht viele!)
Und erst dann, dann während der Zeit, wenn er nicht mehr sichtbar vorhanden ist, scheint es möglich zu sein, ihn zu malen.



Salzburg, im Frühjahr 2004