Bemerkungen zu den Fotoarbeiten:

Gleich in den Neunziger Jahren, als die ersten erschwinglichen kleinen digitalen Fotoapparate aufgetaucht waren, haben diese als unkompliziert zu handhabendes Arbeitsmittel, als Begleiter bei der Suche nach Bildern, nach Bildmaterial in meiner Arbeit Einzug gehalten. Es waren meist ganz einfache Kameras, die sozusagen als elektronischer Skizzenblock bei Wanderungen, Spaziergängen, Museumsbesuchen mitgenommen wurden, sie fungierten zum schnellen Festhalten und bewahren flüchtiger Augenblicke.

 

Was zuzüglich zu der schnellen Möglichkeit des Festhaltens  von Eindrücken (und der sofortigen Verfügbarkeit der Ergebnisse) hinzu kam, war, dass die nun festgehaltenen Bilder nicht mehr im „Sucher“ gesucht worden waren, sondern schon auf dem Display als Bilder angesehen werden konnten und diese Bilder, durch sehr einfache Zoomobjektive verzerrt und beeinflusst, die Sehgewohnheit, den Blick des Fotografierenden und des Bildersuchers veränderten und Neues boten – und letztendlich dem Maler neue Möglichkeiten der Bildfindung ermöglichten.

Abgesehen davon, dass die solcherart Veränderung des Blickes und der Seh- und Schaugewohnheiten, nun also auch die Arbeit an Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen seit dieser Zeit maßgeblich beeinflussen und beeinflussten, war nun der Weg zum Medium Fotografie eröffnet – ohne, dass die Resultate gleich in Hinblick auf eine Öffentlichkeit gedacht waren. Es begannen auch Versuche und Überlegungen, das nun entstandene Spannungsfeld des Dialoges in Bezug zu meiner Malerei weiter zu durchleuchten, Bildcharakter, Abstraktionsgrad, Licht und Farbigkeit der digital-fotografisch entstandenen Bilder wurden zum Thema, zeichnerische, malerische oder skulpturale, selbst literarisch-erzählerische Aspekte wurden befragt und spielen natürlich weiterhin eine sehr wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit dem Medium.

Es wurde begonnen mit verschiedensten Kameras, von Polaroidkameras aus den Siebziger Jahren über Spiegelreflexkameras bis zu Systemkameras die Sprachmöglichkeiten des unterschiedlichen Equipments zu hinterfragen – einer Aufgabe und Praxis, die der Zeit, der Geduld und der Kontinuität bedarf, die alleine schon ein Ansuchen um ein Stipendium begründen würde.

 

In der Ausstellung „Das Große Bild hat keine Form“ im Pavillon des Künstlerhauses Milchhof/Berlin, konnten in einer installativen Konzeption Schwarzweißfotografien, die mit Polaroidkameras gemacht wurden, als auch Farbfotografien, die mittels Spiegelreflexkamera entstanden mit Ölgemälden und kleinstformatigen Aquarellarbeiten in einer Zusammenschau gezeigt werden – die Türe, das Medium Fotografie in der/meiner Ausstellungspraxis einzuführen, wurde geöffnet.

 

Es sind diejenigen Situationen, Gegenstände, Blickwinkel, die scheinbar aus dem Schnappschuss (dem „snapshot“) heraus entstanden sind, die archetypisch erinnerbare („memory“) Augen-Blicke, die interessieren. Die digitale Fotografie sollte durch eine weitere Bearbeitung am Rechner nicht mehr nachbehandelt, verändert werden, als dies „füher“ in der analogen Fotografie der Fall war. (Was von Eingriffen technischer Natur in Frage kommt, sind geringfügige Ausschnittkorrekturen, das Nachsteuern von Kontrasten und farbigen Balancen – und die Auswahl des Papiers.)

Die Suche des Bildausschnitts am Display oder durch den optischen Sucher, die Lichtsituation vor Ort sollen nah an der Bildersuche des Fotografierenden sein – ausgesiebt werden die Ergebnisse anhand der ersten Ausdrucke.

Die Bildauswahl (für ein Portfolio. Bildreihe,...) selbst erfolgt auf mehreren Ebenen. Können die Bilder (oder die Abfolge der Bilder) als solche allein aufgrund des ästhetischen Wertes „genossen“ werden, werden sie auf einer weiteren Ebene nach kompositorischen und inhaltlichen Kriterien zusammengestellt, beziehen sich auf den Kontext von Geschichte und auf kunsthistorische Verweise – nicht zuletzt auf das eigene Malerische Œvre, der Sehschulung in der Erfahrung als Maler.