Oktober 2002. Abreise aus Salzburg ein paar Tage nach dem Ersten. Es bleiben also nur vier Wochen für den Aufenthalt im Budapester Atelier am Klauzal ter. Vier Wochen, sich zu orientieren. Für die erste Hälfte des Stipendienaufenthaltes teilt man sich die zwar geräumige Atelierwohnung, doch verlangt es die Energie der Mitbewohnerin, sich das Draußen zu suchen, die Straßen und Gassen zu durchstreunern. Der Herbst ist hier schon sehr früh eingezogen. Regen und eisiger Wind. Nach zwei Wochen wird der eigentliche Arbeitsraum erst frei, um arbeiten zu können.

Arbeitsmittel, das sind: Notizhefte, Zeichenmaterial, Farbkästen und eine analoge Fotokamera. Die restliche Zeit vergeht im Flug, vor der Abreise hält man inne, um den Aufenthalt zu hinterfragen: eigentlich hatte man kaum Zeit und Ruhe, sich auf die Umgebung wirklich einzulassen. Man war eigentlich hier, um lediglich – wie es umgangssprachlich heißt – vorbei zu schauen.

 

Zurück im Salzburger Atelier sichtete ich nun das zusammengesammelte Material. Ein paar Zeichnungen und Fotografien scheinen geeignete Ausgangspunkte für mehrere Arbeiten zu sein: es wird eine kleine Anzahl von Kompositionen/ Bildmotiven ausgewählt, die auch in einem weiteren Sinne für ein Vorbeischauen gelten können, „Vorbeischauen“ in dem Sinn von „um die Ecke schauen“: vom Wohnraum des Ateliers am Klauzal ter in den Arbeitsraum, gleich beim Verlassen des Gründerzeithauses zum sich öffnenden Platz, von dort aus ums Eck in die Straße hinein, in der sich die Synagoge befindet ... und so fort.

 

Diese Motive werden in verschiedenen Medien variiert: neben präparierten Fotografien entstehen Zeichnungen, Linolschnitte, Aquarelle und eine sechsteilige zusammengehörige Arbeit von Leinwänden, die, in Anlehnung zu Überlegungen zur Ausstellung „Schotterwerk Stephansbrücke“ gemacht wurden, zu einer zusammengehörigen Komposition arrangiert wird.

"Vorbeischauen - Budapest_Klauzal tér"

  2002